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 Praetorius-Saxonius-Bibliothek 

Nicolaus Copernicus: De revolutionibus orbium coelestium libri IV. Nürnberg: Johann Petreius 1543 Ihre Ansprechpartner

Herr Dr. Uwe Müller,
09721-51-382,
eMail: uwe.mueller@schweinfurt.de

Frau Ute Grad,
09721-51-326,
E-Mail: ute.grad@schweinfurt.de

Herr Georg Drescher M. A.,
Bibliothek Otto Schäfer


Bei der Praetorius-Saxonius-Bibliothek – so benannt nach ihren früheren Besitzern, den Altdorfer Mathematikprofessoren Johannes Praetorius (1537-1616) und Petrus Saxonius (1591-1625) – handelt es sich um eine singuläre Sammlung mathematischer und astronomischer Handschriften und annotierter Drucke aus dem Nachlaß eines der führenden „mathematici“ seiner Zeit – so jedenfalls das Urteil des Astronomen Tycho Brahe (1546-1601) über Praetorius, das Menso Folkerts mit seinen Analysen im Rahmen der Rekonstruktion des Schweinfurter Bestandes nachdrücklich bestätigt hat.

In der Praetorius-Saxonius-Bibliothek ist das gesamte Spektrum der damaligen theoretischen und angewandten Mathematik und Astronomie repräsentiert: von der Antike – Archimedes, Aristoteles, Euklid, Proclus, Ptolemäus – über die arabische Astronomie – Albategnius, Albohazen, Alcabitius, Alfraganus, Alhazen, Messahalah – bis hin zur Präzisierung und Revision des überkommenen und Entstehung des modernen astronomischen Weltbildes – Alfons von Kastilien, Johannes Sacrobosco, Georg von Peuerbach, Johannes Regiomontanus, Nicolaus Copernicus, Georg Joachim Rheticus, Erasmus Reinhold, Michael Maestlin, Adriaan Metius.
Die derzeit als identifiziert geltenden 174 Bände, davon 56 Bände Handschriften, und 3 Instrumente aus der Praetorius-Saxonius-Bibliothek sind zerstreut auf Bibliotheken in Schweinfurt, Erlangen, München, New Haven und Straßburg. Im Gegensatz zur Geschichte der Erlanger Handschriften, die durch Stiftung 1641 an die Universitätsbibliothek Altdorf gelangten und mit dieser 1818 nach Erlangen, konnte bislang nicht geklärt werden, wie ein großer Teil des Bestandes vor 1687 in die Bibliothek der Reichsstadt Schweinfurt gelangte.

Die „Copernicana“ aus der Schweinfurter Praetorius-Saxonius-Bibliothek bilden eine in dieser Zusammensetzung einzigartige Gruppe: „De revolutionibus orbium coelestium libri sex“ in der von Praetorius reich annotierten Erstausgabe von 1543 (ursprünglich im Besitz Paul Ebers, 1511-1569, der in Wittenberg Mathematik und Hebräisch lehrte und in engem Kontakt zu Melanchthon, Peucer und Rheticus stand), der in nur drei Exemplaren (Schweinfurt, Krakau, Prag?) bekannte Porträtstich, Copernicus mit dem Buch darstellend, der vielleicht noch auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zu datieren ist, eine von sechs bekannten Abschriften des berühmten Wapowski-Briefes (Schweinfurt, Berlin, Oxford, Paris, Uppsala, Wien), in dem sich Copernicus 1524 mit der Trepidationstheorie in der Formulierung des Nürnberger Mathematikers Johannes Werner (1468-1522) kritisch auseinandersetzte und die sog. „Narratio prima“ [De libris revolutionum [...] Nicolai Copernici [...] narratio prima ad [...] Joan. Schoenerum [...], Basel, Winter 1541] des Georg Joachim Rheticus (1514?1574), in der zweiten Auflage 1541, in der dieser Wittenberger Mathematiker und Astronom – dem auch Drucklegung von Copernicus’ epochalem Werk zu verdanken ist – 1540 erstmals zusammenfassend über den Hauptinhalt des kopernikanischen Werkes berichtet hat.

LITERATURHINWEIS:
Müller, Uwe [Hg.]: 450 Jahre Copernicus „De revolutionibus“. Astronomische und mathematische Bücher aus Schweinfurter Bibliotheken. Schweinfurt 1993.